Bei uns gibt es einmal im Jahr eine spielzeugfreie Zeit. Für ein paar Wochen werden die Spielsachen nach und nach weggeräumt. Die Kinder entscheiden mit, in welcher Reihenfolge. Am Ende bleibt erstmal nur der Raum.
Für unseren Sohn war es das erste Mal. Er ist drei, frisch in die Elementargruppe gewechselt und ich war ehrlich gesagt gespannt, wie das wird.
Die ersten Tage waren eher anstrengend. Er war nachmittags schneller genervt, irgendwie aus dem Takt. Es hat sich angefühlt, als würde ihm etwas fehlen, auch wenn ich gar nicht genau sagen konnte, was.
Und dann, ganz leise, hat sich etwas verändert.
Er hat angefangen, anders zu spielen. Länger. Tiefer. Mit weniger. Ein Wollknäuel liegt seit Tagen auf dem Boden und ist seitdem Straße, Fluss, Stadtgrenze und Raketenspur gewesen. Alles nacheinander, alles todernst. Ein Korken vom Frühstückstisch wird zur Figur. Ein Küchentuch zum Gebirge.
Er ist komplett drin. Vergisst alles um sich herum. Und braucht viel weniger von außen.
In der Kita ist es ähnlich. Ein Karton wird zur Burg, dann zum Boot, dann zu irgendwas, für das es noch keinen Namen gibt. Zwei Kinder bauen schweigend nebeneinander, kein Streit um Spielzeug, kein „das ist meins”. Erst der leere Raum, dann kommen Decken, Kissen, Kronkorken, Wolle dazu und plötzlich ist da eine ganze Welt, die fünf Minuten vorher noch nicht existiert hat.
Man merkt plötzlich, wie wenig es eigentlich braucht und wie viel schon da ist. Was für eine wertvolle Erfahrung!





